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Was ahimsa mit einem nachhaltigen Lebensstil zu tun hat

Für Yogis und Weltverbesserer

Während ich beginnen möchte, diesen Artikel zu schreiben, schwirren mir viele Gedanken im Kopf herum. Es ist nicht leicht, ein so komplexes Thema auf den Punkt zu bringen, vor allem auch, weil so viel Verantwortung in diesem Gedanken steckt. Würde jeder Mensch sich nämlich nach dem Aspekt ahimsa richten und es in Form eines nachhaltigen Lebensstils leben, würde die ganze Welt, das ganze Leben, wie wir es kennen, anders aussehen…

Aber erstmal von Anfang an. Was bedeutet überhaupt ahimsa? All denen, die sich schon intensiver mit Yoga auseinandergesetzt haben, dürfte dieser Begriff schon einmal über den Weg gelaufen sein. Ahimsa bedeutet Gewaltlosigkeit/Friedfertigkeit. Es ist aus der altindischen, heiligenSprache Sanskrit übersetzt und wird im 8-gliedrigen Pfad des Patanjali, dem „Vater des Yoga“, aufgeführt.

Um eine Vorstellung vom 8-gliedrigen Pfad des Patanjali zu erhalten, stelle ich mir immer vor, es seien die 10 Gebote des alten Indien. Bei Patanjali sind es zwar „nur“ acht, wie der Name schon sagt. Doch sie sind nichts anderes als Leitfäden oder Richtlinien, die ein friedliches und glückliches Zusammenleben fördern sollen, genau wie bei den christlichen 10 Geboten. Ahimsa ist einer der Gedanken, die Patanjali im Zusammenhang mit der Yoga-Philosophie niedergeschrieben hat. Neben den anderen Gedanken bin ich über ahimsa im Besonderen gestolpert und habe mich damit befasst.

Was bedeutet „ahimsa“ für mich?

Als ich über den Begriff „ahimsa“ nachgedacht habe, musste ich erst einmal eine Definition finden, was Gewaltlosigkeit und Friedfertigkeit für mich eigentlich bedeuten. Geht es darum, dass wir Menschen einander keine Gewalt antun, körperlich wie psychisch? Dass wir niemandem auf andere Weise Schaden zufügen, durch Taten und Worte? Dass wir nicht streiten und uns gegenseitig vergeben? Dass wir uns, platt gesagt, nicht gegenseitig anpflaumen und ein harmonisches Miteinander anstreben? Dass wir auch Tieren und Pflanzen als weitere Lebewesen dieser Erde nicht schaden?

Was steckt hinter dem Begriff „ahimsa“? Ist da noch mehr?

Meine Antwort, die ich dafür gefunden habe, war ein ganz klares „Ja!“. Gewaltlosigkeit und Friedfertigkeit zu leben ist unglaublich weitreichend. Ahimsa bedeutet für mich auch, die Verantwortung für sein Handeln zu übernehmen und die Tragweite des eigenen Handelns zu erforschen und zu erkennen. Es geht darum, sich selbst ständig zu hinterfragen und zu prüfen, ob man in jeglicher Hinsicht nach ahimsa agiert hat. Ich schreibe diesen Artikel, weil ich finde, dass ahimsa, wenn man es als Yogi oder als jeder andere Mensch wahrhaftig und ernsthaft leben möchte, unweigerlich dazu führt, dass wir unbedingt eine nachhaltige Lebensweise etablieren müssen. Ich sage bewusst „müssen“, denn sonst würden wir uns was vormachen. Es reicht meiner Meinung nach nicht aus, Yoga zu betreiben, gute Schwingungen zu verbreiten und hin und wieder für gemeinnützige Organisationen zu spenden. Auch wenn das, wenn ich mir die meisten Menschen so anschaue, schon wahnsinnig viel ist.

ahimsa und Umweltschutz

Ich schreibe diesen Artikel vor dem Hintergrund, dass die Mehrheit der Wissenschaftler mittlerweile sagt, dass die Klimaerwärmung menschengemacht ist. Hierzu gibt es reichlich Studien, die in den Medien, der Politik, der Pharmaindustrie und Co. aber oft ins schlechte Licht gerückt oder schlichtweg übergangen werden. Wissenschaftler sagen, wir haben noch bis zum Jahr 2030 Zeit, drastische Maßnahmen zu ergreifen, bevor wir den Point of no return erreichen – den Zeitpunkt, an dem es zu spät sein wird, noch etwas zu ändern, den Zeitpunkt, der große globale Schwierigkeiten und eine enorme Einschränkung in unserer aktuellen Lebensqualität einleiten würde.

Diese Gefahr ist omnipräsent und betrifft jeden Menschen, jedes Tier und jede Pflanze auf dieser Erde. Selbst wenn die Wissenschaftler sich irren und nicht alles stimmt, so möchte ich das Risiko nicht eingehen und alles so belassen, wie es ist. Wenn nur eine kleine Wahrscheinlichkeit besteht, dass es zur Klimakatastrophe kommen könnte, besteht auch die Gefahr. Solange die Gefahr besteht, möchte ich etwas ändern. Andernfalls wären die Folgen dramatisch. Ich möchte hier nicht mit erhobenem Finger mahnen, was gänzlich dem Wert von ahimsa entgegenstehen würde, sondern zu Eigenverantwortung aufrufen. Statt uns auf die Missstände der Vergangenheit und Gegenwart zu konzentrieren, möchte ich hier einen Einblick in eine wundervolle, erfüllte, friedliche und neuartige Zukunft geben. Eine Zukunft, die wir alle gemeinsam schaffen, jeder Einzelne. Nicht die Politik, nicht die Pharmaindustrie, nicht die Medien, nicht sonst jemand. Allein diese Ausdrucksweise, bei diesen Institutionen von „jemandem“ zu sprechen, zeugt davon, dass wir sie zu stark personifiziert haben, sie sind wie Personen in unserem Bewusstsein verankert. Personen, denen man die Schuld an den Missständen geben kann, Personen, welche die Verantwortung tragen.

Doch Institutionen sind keine Personen, im Gegenteil, sie sind von Personen gemacht, menschengemacht. Menschen wie du und ich sitzen und arbeiten in diesen Institutionen und Organisationen. Diese Menschen sind auch nicht böser, schlechter oder anders als du und ich. Wir sind alle gleich, wir haben alle das Bedürfnis nach Sicherheit und den Wunsch, glücklich zu sein.

Die Politik, die Industrie, der Markt folgen den Menschen, wir bestimmen, in welche Richtung es geht, nicht umgekehrt. Durch unsere Wahlen, durch unser Konsumverhalten, durch unsere Entscheidungen regulieren wir dieses Konstrukt, das uns eigentlich als Unterstützung dienen soll. Allein wenige % der Kunden in einem Supermarkt können bewirken, dass das Sortiment und Angebot umgestellt werden. So wird z.B. ein Regal mit ökologischen Produkten aufgestellt, sobald ein gewisser Prozentsatz der Kunden des Geschäfts diese Produkte kauft.

Was bedeutet „nachhaltig“ überhaupt?

Und damit sind wir schon mitten im Thema. Welches Verhalten, welche Entscheidungen, welche Wahlen sind denn nun nachhaltig? Das Problem ist, dass dich das pauschal nicht beantworten lässt. Hier kommt die Eigenverantwortung ins Spiel. Es gibt heutzutage so viele Möglichkeiten (gerade im Internet) sich zu informieren, zu vergleichen, abzuwägen, nachzurecherchieren. Es gibt auch viele falsche Informationen; hier gilt es, den eigenen Menschenverstand einzusetzen und auf das eigene Gefühl zu vertrauen. Alle Antworten sind immer in uns, nur sollten wir lernen, richtig hinzuhorchen.

Jeder Mensch ist individuell und jeder Mensch steht an einem anderen Punkt in seinem Leben. Die Umstellung auf ein nachhaltiges Leben ist ein Prozess. Die Maßnahmen zur Vermeidung von CO2, Verpackungsmaterial, Verunreinigungen von Land und Wasser usw. können nicht von heut auf morgen durchgeführt werden. Aber jeden Tag ein bisschen. Dieser Prozess kann einige Jahre in Anspruch nehmen. Um dran zu bleiben, sollte sich jeder Mensch bewusst machen (Bewusst-Sein), wofür er Veränderungen vornimmt und welchen Nutzen diese für die Welt und letztendlich auch für sie selbst haben.

Dieser Artikel dient nicht dazu, die nötigen Veränderungen zu illustrieren oder Vorschläge zu unterbreiten. Vielmehr soll er dazu bewegen, eine gewisse Neugier, Mut zur Veränderung und Aufgeschlossenheit wecken.

Es gibt unendlich viele Möglichkeiten und auch bei mir sind noch viele Dinge zu verändern, doch ist es wichtig, diese Veränderungen Schritt für Schritt zu machen und sich nicht zu überfordern. Andernfalls würden zu schnelle Veränderung zu Frust und zu großen Einschränkungen führen. Dadurch besteht die Gefahr des Aufgebens. Gleichzeitig möchte ich auf die Wissenschaftler verweisen und daran erinnern, dass diese Veränderungen auch nicht zu langsam vonstattengehen dürfen. Der beste Ansatz, der kürzeste und übersichtlichste Weg, den wir selbst auch kontrollieren können, ist: bei uns selbst beginnen. Wenn wir uns verändern, verändern wir die Welt. Der Markt, das öffentliche Gedankengut, die Meinungen anderer werden folgen. Wir lassen nicht über uns bestimmen, sondern leiten selbst und geben vor, wohin uns unsere Zukunft führen soll.

Was ist zu tun?

Was ist nun konkret für alle YogalehrerInnen, Yogis und Yoginis und für alle anderen konkret zu tun? Meine logische Schlussfolgerung: wir sollten als Vorbild dienen, anderen zeigen, dass wir uns mit diesen wichtigen Themen der Nachhaltigkeit und mit Alternativen beschäftigen. Wir sollten durch Worte und Taten zu Ideen anregen und inspirieren. Wir sollten zeigen, dass es ganz leicht ist, diese Veränderungen nach und nach in den Alltag zu integrieren. Wir sollten jetzt schon vorleben, was wir uns in der Zukunft wünschen.

Und vor allem – wir sollten uns jeden Tag vor Augen führen, was passieren könnte, wenn wir diese Maßnahmen und Veränderungen nicht durchziehen. In welcher Welt unsere Nachkommen leben werden und in welcher Welt unsere Nachkommen stattdessen leben könnten. Wir sollten abwägen, ob wir von unseren Nachkommen die Frage hören: „Warum habt ihr nichts unternommen? Wie konnte es so weit kommen? Ihr hättet es verhindern können!“ oder ob sie zu uns sagen: „Danke, dass ihr uns dieses Leben ermöglicht habt. Danke, dass ihr euch eingesetzt habt!“

Im Sinne von ahimsa wäre es eine Tragödie, würden wir die Verantwortung nicht übernehmen und so weitermachen wie bisher. Wir haben das Privileg, als Vorbilder zu dienen, an denen sich andere orientieren können. Wir haben die Pflicht, uns um den Erhalt der Erde zu kümmern. Wenn wir, unsere Kinder, unsere Enkel, unsere Urenkel überleben wollen, müssen wir über Veränderungen nachdenken – jetzt. Würden wir weitermachen wie bisher, droht der Kollaps, und was wäre schädlicher für Mensch, Tier und Pflanzen als die Bedrohung ihrer Existenz? Womit könnten wir der Erde mehr Gewalt antun, als passiv zu bleiben und unbewusst zu sein? Was könnte gewaltsamer sein in einer Zeit der Hungersnöte, Flüchtlingskrisen, in einer Zeit des Artensterbens, der Klimakatastrophen und Kriege. Informiert euch, seid offen für neue Ideen und Konzepte, lest viel und hört euch Berichte und Podcasts an. Noch nie vorher gab es so viel Informationen im Überfluss, in einer Welt des Zero Waste, DIY, des Veganismus. Die Frage ist, was machen wir mit und aus diesen Informationen? Tauscht euch aus, unterstützt euch gegenseitig. Sucht euch Gleichgesinnte und akzeptiert, dass es auch Menschen gibt, die noch nicht an dem Punkt angekommen sind, etwas zu verändern. Begegnet diesen Menschen mit Respekt und Liebe. Indem ihr Glück und Zufriedenheit ausstrahlt, werden sie sich unterbewusst fragen, wie ihr das wohl macht und sich nach und nach damit beschäftigen.

Glück und Zufriedenheit ausstrahlen

Dies ist ein Aufruf an alle Yogis und Yoginis, an alle Mütter und Väter, an alle Lehrerinnen und Lehrer, an alle Nachbarn und Freunde, an alle ehrenamtlichen Helfer und Trainer, an alle, die in irgendeiner Form Kontakt zu Menschen und Einfluss auf die Außenwelt haben. Patanjali hat schon vor sehr langer Zeit die Idee der Gewaltlosigkeit und Friedfertigkeit propagiert, und sie gilt auch heute noch. Sie ist aktueller denn je.

Durch eine nachhaltige und bewusste Lebensweise betreiben wir aktiv ahimsa. Ahimsa rückt nach Tausenden von Jahren wieder verstärkt ins Licht und ins Bewusstsein der Menschen. Nicht umsonst erfreut sich der Yoga im Allgemeinen über einen regelrechten Boom in der westlichen Gesellschaft. Vermutlich spüren die Menschen den Mehrwert und das Potenzial, das sich aus der Yoga-Philosophie ergibt. Nun gilt es, diese Philosophie zu verbreiten, bekannt zu machen, zu etablieren und sie auf alle Lebensbereiche zu übertragen, damit wir in einer Welt leben können, die erfüllt ist von Frieden, Glück, Vertrauen, Liebe, Herzlichkeit, Gesundheit, Wohlstand, Verbundenheit und – AHIMSA.

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